Beim El mundo Festival am 16. und 17. Oktober 2026 in Judenburg erzählen mehrere Frauen von Neuanfängen: eine Kriminalpsychologin, die ihre Karriere aufgab, eine Autorin, die jeden Aufbruch fürchtet, eine Radfahrerin am Eisernen Vorhang. Ein Kurzfilm porträtiert eine 94-jährige Kletterin.
Eine Kriminalpsychologin, die mit 28 ihren Beruf aufgibt. Eine Autorin, die das Reisen liebt und jeden Aufbruch fürchtet. Eine Radfahrerin, die keinen Patschen flicken kann und trotzdem knapp 10.000 Kilometer fährt. Beim El mundo Festival am 16. und 17. Oktober 2026 in Judenburg erzählen mehrere Frauen davon, wie sie losgegangen sind – oft ohne Plan B. Ihre Geschichten handeln von Mut, aber auch von Angst, Trauer und Umwegen.
- El mundo ist ein Wettbewerb für Reise- und Abenteuervorträge in Judenburg (Steiermark), heuer in der 27. Auflage; jeder Vortrag dauert höchstens 30 Minuten.
- Im Programm 2026 stehen unter anderem Tamar Valkenier, Nadine Pungs, Rebecca Salentin, Jolanda Linschooten sowie Verena und Analena Schmidt.
- Ein Kurzfilm porträtiert die Kletterin Maria Kittl aus Bad Ischl, die laut Festival mit 94 Jahren noch klettert.
- Für 2027 nimmt das Festival bereits Bewerbungen von Vortragenden an.
Vom Polizeidienst in die Steppe: Tamar Valkenier
Laut Festivalprogramm war die heute in Tasmanien lebende Niederländerin Tamar Valkenier Kriminalpsychologin bei der Nationalpolizei, als sie mit 28 Jahren ihre Karriere gegen ein Leben auf der Straße tauschte. Geplant war ein Jahr Auszeit, daraus sind zehn Jahre geworden. Sie reiste mit eigenem Pferd, Kamel und Hund zu den Adlerjägern im mongolischen Altai-Gebirge und gewann nach Angaben des Festivals den ersten Preis beim dortigen Adlerfest. Später gründete sie eine Hilfsorganisation für Nomaden in Not und schrieb das Buch „Die Vollzeit-Abenteurerin“. Ihr Vortrag läuft am Freitag, 16. Oktober, um 15 Uhr.
Angst gehört dazu: Nadine Pungs
„Sie liebt das Reisen – und fürchtet jeden Aufbruch“, heißt es im Programm über die Düsseldorfer Autorin Nadine Pungs. Sie erzählt von Polizeikontrollen im Iran, einem Sonnenstich in Abu Dhabi und einer Begegnung mit einer feministischen Koranlehrerin in Saudi-Arabien. Pungs hat Literaturwissenschaft und Geschichte studiert, als Kleinkünstlerin und Moderatorin gearbeitet und veröffentlicht ihre Bücher bei Piper und Malik/National Geographic. Ihr Vortrag „Ich war dann mal mutig: Allein unterwegs zwischen Alpen und Afghanistan“ sei, so das Festivalprogramm, „keine Heldinnenreise, sondern eine Einladung zu Aufbruch, Neugier und Vertrauen“. Termin: Samstag, 17. Oktober, 15.10 Uhr.
Zehntausend Kilometer am Eisernen Vorhang: Rebecca Salentin
Rebecca Salentin aus Leipzig kann laut Programm keinen Platten reparieren – und ist nach Angaben des Festivals dennoch die erste Frau, die den Iron Curtain Trail mit dem Fahrrad bewältigt hat: knapp 10.000 Kilometer durch 20 Länder, vom Balkan über das Baltikum bis zur Barentssee. Unterwegs suchte sie nach Spuren ihrer eigenen Familiengeschichte. Bei El mundo ist sie keine Unbekannte, das Festival nennt einen ersten Platz bei El mundo 2021. Ihr Motto zitiert das Programm so: „Ist der Weg zu stark, bist du zu schwach!“ Ihr Vortrag „Iron Woman“ beginnt am Samstag um 17.20 Uhr.
Halbwölfe und Geduld: Jolanda Linschooten
Die niederländische Fotografin Jolanda Linschooten reist seit Jahren nach Ittoqqortoormiit im Nordosten Grönlands. Laut Festival hat sie als erste Niederländerin die grönländische Eiskappe überquert. Ihr Traum ist ein eigenes Schlittenhundegespann – mit Tieren, die das Programm als „Halbwölfe“ beschreibt, gewohnt, nur einem Jäger zu gehorchen. Die Frage ihres Vortrags: Folgen sie einer Frau, die auf einer wochenlangen Expedition an Liebe statt Strafe glaubt? Zu hören am Freitag um 19.30 Uhr.
Mutter und Tochter in den Rockies: Verena und Analena Schmidt
Nach dem Unfalltod ihres Partners nahm die Ethnologin und Reiseführer-Autorin Verena Schmidt ihre 13-jährige Tochter Analena mit in die kanadischen Rockies, um an einem Wanderführer zu arbeiten. Analena hatte laut Programm „null Bock auf Wandern“. Es folgten 600 Kilometer, Schneestürme, Bärenbegegnungen und viel Streit – und am Ende ein gemeinsames Buch, „Zwei Sommer in den Rockies“. Den Vortrag erzählen beide abwechselnd, das Festival beschreibt ihn als Geschichte über „Trauer, Mut und die unerwartete Kraft des Weitergehens“. Samstag, 14 Uhr.
Mit 94 an der Wand: Maria Kittl
Zum Abschluss des Samstags hat um 19.55 Uhr der Kurzfilm „Die Jahrhundertkletterin“ von Andreas Lattner-Czerny Premiere. Er porträtiert Maria Kittl aus Bad Ischl, deren erklärtes Ziel es laut Programm war, „90 Jahre alt werden und noch immer klettern können“. Heute ist sie 94. Das Festival beschreibt sie als eine der besten Kletterinnen ihrer Zeit, „einer Zeit, in der kaum Frauen auf Berge stiegen und die Leistungen der wenigen kaum sichtbar wurden“. Ein gleichnamiges Buch erscheint laut Programm ebenfalls zum Festival.
Was diese Geschichten verbindet
Auffällig ist, wie offen die Programmtexte die Schwachstellen benennen: die fehlende Pannenkenntnis, die Angst vor dem Aufbruch, der Verlust, der eine Reise erst auslöst, die Karriere, die bewusst aufgegeben wurde. Das Festival selbst beschreibt seine Bühne als Ort für „die anspruchsvolle Kunstform der Live-Erzählung“ – und genau dort zeigt sich, dass Mut selten ohne Zweifel auskommt. Wer selbst etwas zu erzählen hat: Auf der Website des El mundo Festivals in Judenburg können sich Vortragende bereits für 2027 bewerben.
Termine und Karten
Das Festival findet in der Festhalle Judenburg, Kaserngasse 20, statt: Freitag, 16. Oktober, ab 14 Uhr und Samstag, 17. Oktober 2026, ab 13.45 Uhr; die Preisverleihung ist am Samstag um 20.15 Uhr. Laut Ticketseite sind die Hauptkategorie und die Beistellsessel mit Stand 5. Oktober 2026 ausverkauft. Nicht als ausverkauft angeführt sind die frei verfügbaren Sessel auf den seitlichen Emporen zu 38 Euro pro Tag oder 70 Euro für beide Tage, ermäßigt 33 beziehungsweise 60 Euro für Schülerinnen, Schüler und Studierende bis 26 Jahre. Last-Minute-Anfragen nimmt das Festival ab 9. Oktober ausschließlich per WhatsApp unter +43 664 1524234 entgegen.














